Jocelyn25 – ein kleiner persönlicher Rückblick

By docron

Es war Februar 2006. Joce stieg als Vögtin von Emerald City in die Fairnessarbeit ein. Zuerst fiel sie durch ihre hervorragenden Englischkenntnisse auf. Entsprechend war sie gerade im internationalen Bereich für uns eine große Bereicherung. Dennoch engagierte sie sich von Anfang an auch im deutschsprachigen Bereich der Vögtearbeit – und wurde erstmal zu einem extrem engagierten Vogt, fast schon zu einem Arbeitstier. Damals hatte ich den Posten als Moderator im Vögteforum übernommen und entsprechend oft bekam ich von ihr zu lesen. Ein Jahr später, im Februar 2007, war sie dann auch im Moderatorenteam des Forums gelandet und eine verlässliche Partnerin, mit eigener Meinung, mit der sie nie hinterm Berg hielt. Ja, sie war und ist ein ordentlicher Dickkopf, wie wir bald merkten, aber gerade das war das Gute bei ihr.

Kurz vorher, im November 2006 war Joce in das Mediatorenteam gewählt worden. Doch sie hatte für die doppelte Belastung genügend Energie und war bald schon eine feste Größe für uns alle geworden. Auch in dem Frühjahr 2007, als ich selbst in einer Fairness-Frage wirklich Hilfe benötigte, war sie es, die sich um mich kümmerte und weit über ihre Arbeit als Mediatorin einfach als Mensch für mich da war, etwas für dass ich ihr heute immer noch sehr dankbar bin.

Etwas später bin ich dann zu ihr ins Mediteam gestoßen. Turbulente Zeiten folgten, gerade weil wir in den Endzügen der Fairnessreform lagen – ein Prozess an dem sie von Anfang an eine federführende Figur gewesen war, die vor allem viele von unseren Traumtänzerein wieder auf dem Teppich zurückholte. Sie war daher einer der ersten Landvögte der Brettspielwelt, gleichzeitig wurde aber ihre Arbeit im Mediteam immer wichtiger. Sie engagierte sich für einzelne User und stellte sich mit Inbrunst vor diese; war mit Leib und Seele dabei. Und erlebte auch die vielen Schattenseiten der Arbeit.

Entsprechend ihres großen Einsatzes war sie die logische Wahl, als es um die Nachbesetzung im festen Mediteam ging. Ihr Bereich wurde mehr und mehr der der Tichu-Schöffen. Zeitweise schmiss sie den Laden fast alleine, als bei den anderen festen Kollegen das reale Leben mehr Zeit in Anspruch nahm. Als ich dann in den Job berufen wurde war ihre – nicht ganz ernst zu nehmende – Aussage auch: „Im Zweifel gilt das, was ich sage!“. Wir spielten uns ein und ergänzten uns gegenseitig – ach ja, und wir redeten uns über so manche Geschichten die Köpfe heiß. Denn es ist sicher kein Geheimnis: gerade Leute, die Streit schlichten sollen, können das ganz gut mit dem Streiten untereinander, auch wenn man das selten bis nie offen mitbekommt.

Dann ging der Obermedi und zwischen uns beiden war die Frage groß, wer denn den Job des Obermedis machen sollte. Keiner wollte so richtig oder fühlte sich dem allein gewachsen. Letztlich entschlossen wir uns dazu, einfach an diesem Teamspiel, in dem wir beide gerade so gut drin steckten, nix zu ändern und gingen eine Doppelspitze ein. Sicher, das eine oder andere mal habe ich es ein klein wenig bereut, nicht einfach den Chef raushängen lassen zu können und meine Meinung durchzuboxen, und ich bin mir sicher, dass es ihr genauso ging (nein, ich werde es auch zukünftig nicht machen, keine Sorge ;-) ). Doch gerade weil wir in unseren Ansichten so unterschiedliche Positionen einnahmen, taten wir dem Team letztlich gerade auf diese Weise sehr gut. Das Mediteam ist stark geworden, dass eben nicht ein einziger von oben eine einzige Richtung angibt, sondern weil jeder eine eigene Meinung haben und äußern darf. Sicher, das war früher auch so, dass das jeder durfte. Aber es ist schon ein Unterschied, wenn man gezwungen wird, sich auf eine Seite zu stellen, weil die beiden an der Doppelspitze konträre Meinungen haben. Und dadrin waren wir gut ;-) !

Ja. Diese Streitmomente werde ich wirklich vermissen. Wenn Leidenschaft auf das Festhalten an Werten trifft. Wenn die Theorie des gesamten Konstrukts auf die Praxis eines einzigen Falls trifft. Wenn wir zwei Trotzköpfe an einem Abend keinen Millimeter zurückweichen und am nächsten Abend beide schon wieder an ganz anderen Punkten angekommen sind. Wir waren häufig unterschiedlicher Meinung. Nur in einer Sache nicht: dass wir gemeinsam für ein besseres Fairnesssystem in der BSW stritten.

Ich erinnere mich aber ebenfalls noch daran, dass es da eine Sache gab, bei der Du große Probleme hattest, sie anzusprechen bei mir, trotz der Tatsache, dass wir mittlerweile fast jeden Abend chatteten und weiterplanten. Du musstest Dich sehr anstrengen um mir „zu beichten“, dass Du im Herbst als Medi aus privaten Gründen aufhören müsstest. Als es dann endlich raus war, habe ich Dir aber nicht wie von Dir befürchtet den Kopf abgerissen. Dennoch stand ich auch erstmal wieder vor einer Wand. Wie sollte es weiter gehen? Wie war eine solche Lücke füllbar? Aber gut, das ist ein anderes Thema.

Nach fast drei Jahren Fairnessarbeit, zwei Jahre Mediamt, ein Jahr davon sogar als fester Medi und davon vier Monate Obermedi-Amt folgen jetzt also neue Aufgaben für Dich. Ich bin mir sicher, dass Du sie mit ebenso viel Energie und Engagement ausfüllen wirst. Und trotz der Tatsache, dass ich traurig bin, jetzt nicht mehr jeden Abend mit Dir zu streiten – irgendwie gönne ich es Dir aus vollem Herzen und wünsche Dir auf Deinem weiteren Weg alles Gute.

- docron im November 2008.

„Good night, good night! Parting is such sweet sorrow, That I shall say good night till it be morrow.“
– William Shakespeare


Schlagworte: , ,